Altbau-Abriss in Hernals
Seit Mitte 2018 haben alle vor 1945 errichteten Gebäude in Wien einen potenziellen Abriss-Schutz. Zwar wurden in den letzten Jahren trotzdem etliche von der Magistratsabteilung 19 (Architektur und Stadtgestaltung) als schutzwürdig eingestufte Altbauten abgerissen – aufgrund angeblicher Abbruchreife. Doch diese Lücke wurde 2023 geschlossen.
Bei manchen Häusern hingegen geht es mit dem Abriss ganz einfach. Nämlich dann, wenn die MA 19 sie als nicht erhaltenswert betrachtet. So wie im Fall des Altbaus in der Jörgerstraße 20.
Stadtnaher Bauträger baut neu
Früher gehörte das Gebäude einer Privatperson, die es 2021 an die Firma ALVP Zwei Immobilien verkaufte, wofür ein niedriger einstelliger Millionenbetrag floss. Die Firma gehört zu Grossmann + Kaswurm Immobilien. Die ALVP Zwei Immobilien verkaufte das Gebäude samt Nebengebäude (Hausnummer 22) im Jahr 2024 weiter an den Bauträger ARWAG. Die ARWAG zahlte dafür insgesamt einen hohen einstelligen Millionenbetrag.
Einige Monate nach dem Kauf wurde das Dach in Vorbereitung auf den Abriss abgedeckt. Die Baupolizei bestätigte, dass seit 2021 eine aufrechte Abbruchgenehmigung vorliegt. Die ARWAG errichtet anstelle des Altbaus „exklusive Neubau-Eigentumswohnungen“. Der Bauträger gehört zu 63% der Wien Holding, die wiederum im Besitz der Stadt Wien steht.
Das Rendering auf der Webseite der ARWAG zeigt einen Neubau mit einem Vorder- und einem Hintertrakt, sowie Fassadenbegrünung und ein interessantes Fassadenmaterial. Die Erdgeschoßzone ist der Grafik zufolge niedrig und ohne nutzungsoffene Flächen. Soll die Jörgerstraße langfristig (wieder) zur Geschäftsstraße werden, sind diese Pläne negativ zu sehen. Mit einer entsprechenden Widmung hätten die Behörden dafür sorgen können, dass auch im Neubau nutzungsoffene Flächen (für Lokale, Geschäfte, Ateliers, Ärzte usw.) in einem hohen Erdgeschoß errichtet werden.
Jörger Straße 22 bleibt erhalten
Das Nebengebäude bleibt erhalten, wie die Baupolizei bestätigt. Ein Dachausbau ist geplant.
Schützenswert oder nicht?
Die Beurteilung durch die MA 19 erfolgt nach der Bedeutung von Gebäuden für das Stadtbild. Ob ein äußerlich schlichter Altbau wie jener in der Jörgerstraße 20 diese Bedeutung aufweist, kann diskutiert werden. Aber geht es nicht auch darum, ob die Substanz erhaltenswert ist und wie sinnvoll oder nicht sinnvoll eine Sanierung und ein Umbau im Einzelfall sind? Diese Aspekte darf die Behörde vermutlich gar nicht ins Felde führen, da es im Baugesetz um die Relevanz fürs Stadtbild geht, nicht um die Bausubstanz bzw. graue Energie.
Immer wieder werden Gebäude von der MA 19 als nicht erhaltenswert eingestuft und in der Folge abgerissen. Unten drei Beispiele aus dem 17., 18. und 20. Bezirk.
Kontakte zu Stadt & Politik
www.wien.gv.at
post@bv17.wien.gv.at
+43 1 4000 17111
Die Bezirksvorstehungen sind die politischen Vertretungen der einzelnen Bezirke. Die Partei mit den meisten Stimmen im Bezirk stellt den Bezirksvorsteher, dessen Aufgaben u.a. das Pflichtschulwesen, die Ortsverschönerung und die Straßen umfassen.
- SPÖ: wien.hernals@spoe.at
- Die Grünen: hernals@gruene.at
- ÖVP: hernals@wien.oevp.at
- NEOS: wien@neos.eu
- FPÖ: ombudsstelle@fpoe-wien.at
- Links: kontakt@links.wien
(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im Dezember 2020.)
- SPÖ: kontakt@spw.at, Tel. +43 1 535 35 35
- ÖVP: info@wien.oevp.at, Tel. +43 1 51543 200
- Die Grünen: landesbuero.wien@gruene.at, Tel. +43 1 52125
- NEOS: wien@neos.eu, Tel. +43 1 522 5000 31
- FPÖ: ombudsstelle@fpoe-wien.at, Tel. +43 1 4000 81797
(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im November 2020.)
Verfall und Abrisse verhindern: Gemeinsam gegen die Zerstörung! (Anleitung mit Infos und Kontaktdaten)
Alle nicht eigens gekennzeichneten Fotos sind © Georg Scherer / wienschauen.at
WienSchauen.at ist eine unabhängige, nicht-kommerzielle und ausschließlich aus eigenen Mitteln finanzierte Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum. WienSchauen hat auch einen Newsletter: